In den Jahren um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert wurde die Hausmusik viel mehr gepflegt, als dies heute der Fall ist. Eine besondere Heimstatt der häuslichen Musik war durch das Wirken des Pfarrers Stanislaus Aenstoots Brüggen geworden. Pfarrer Aenstoots hatte viele junge Luete in die Instrumentalmusik eingeführt, ihnen eine entsprechende Ausbildung gegeben und sie vornehmlich in den Dienst der Kirchenmusik gestellt. So gab es damals in Brüggen eine große Anzahl Jugendlicher, die ein Musikinstrument spielen konnten.

Die Initiative zur Gründung eines Streichorchesters ging in erster Linie von zwei Männern aus: Ewald Wolters und Alexander Schmitz. Ewald Wolters spielte damals Klavier und einige Brüggener Jungen gesellten sich mit anderen Instrumenten hinzu, so daß sich bereits ein lockerer Musizierkreis bildete. Diesem wurde schon bald die Wohnung von Ewalds Tante Cornelia Büsges zu klein und verlegte seine Musikstunden auf die Kegelbahn des Hotels zur Post. Dank dem Bestreben von Ewald Wolters und Alexander Schmitz, eines besonders musikbegeisterten Mannes, in dessen Haus die Musik eine hervorragende Pflegestätte hatte, kam es dort im Jahre 1910 zur Gründung des Streichorchesters “Cäcilia”. Bald nach seiner Gründung wies das Orchester bereits eine ahnsehnliche Zahl Mitglieder auf. Die ersten Mitglieder und damit Gründer des Streichorchesters waren:

Ewald Wolters (Klarinette), Johann Jansen (Violine), Heinrich Bischofs (Violine), Willie Reugels (Trompete), Matthias Reugels (Klarinette), Josef Reugels (Posaune), Heinrich Erkens (Violine), Alex Buschmann (Cello), Josef Klein (Cello), Heinrich Klein (Schlagzeug), August Winkels (Violine), Heinrich Kremers (Violine), Hermanns (Violine), Johann Schmitz (Violine), Heinrich Schmitz (Violine), Franz Schmülders (Klavier), Gustav Schreiber (Flöte).

Vereinslokal wurde das Hotel zur Post. Zum Vorsitzenden wurde Ewald Wolters gewählt, der dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1950 behielt. Als ersten Dirigenten gewann man den Lehrer Josef Giesen. Dieser blieb jedoch nicht lange, so daß bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges noch der Bahnhofsvorsteher Heinrich Remlinger (Violine) und der in Niderkrüchten wohnende Zollbeamte Bartels das Dirigat des Orchesters innehatten.

Der erste Weltkrieg faßte die soeben in der ersten Blüte stehende Gemeinschaft hart an. Drei Mitglieder mußten als Soldaten ihr Leben lassen: Heinrich Cremers, Heinrich Klein und Josef Reugels. Da fast alle Mitglieder einberufen waren, ruhte das Vereinsleben für die Dauer des Krieges.

Nach dem Krieg fanden sich die Cäcilianer schon bald wieder zu neuem Beginnen zusammen. Zunächst wurde in der Wohnung von Alexander Schmitz geprobt. Zum Dirigenten wurde Johann Schmitz (Violine) gewählt, der dieses Amt bis zum Jahre 1959 versah, wo er den Dirigentenstab in jüngere Hand gab.

Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen sahen eine schöne Blüte des Streichorchesters, das unter der Leitung von Johann Schmitz Beachtliches leistete, die Herzen seiner Mitglieder der Schönheit und der bildenden Kraft der Musik öffnete und darüberhinaus ein Hort echter Geselligkeit und Freude wurde. Vereinslokal war während dieser Zeit bis zu ihrer Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges die Gaststätte Neuenhofen.

Durch den zweiten Weltkrieg erlitt der Verein wieder empfindliche Schläge. Wie im ersten Kriege mußte schließlich die Probenarbeit ruhen. Ein Mitglied, Johannes Erkens, fiel als Soldat. Beim Einmarsch der Amerikaner, im März 1945, ging das Vereinslokal in Flammen auf und es verbrannten die dort verwahrten Instrumente, das gesamte Notenmaterial und die Notenpulte.

So war der Wiederbeginn nach diesem Kriege besonders schwer. Es dauerte denn auch vier Jahre, bis sich die früheren Mitglieder nach und nach wieder zusammenfanden und unter beträchtlichen Schwierigkeiten im Jahre 1949 gewissermaßen von vorne anfangen mußten. Einige Musiker hielten sich in dieser Zeit in der Kapelle Willy Donkels musikalisch fit, bevor Cäcilia wieder zusammenfand. Neue Mitglieder kamen hinzu. Dank der Hilfe von Freunden und mit den ersten spärlichen Einnahmen konnten allmählich wieder Instrumente und Noten beschafft werden. Der alte Geist lebte noch, er teilte sich auch den Neulingen mit und vermochte es, daß das Streichorchester in eigentlich erstaunlich kurzer Zeit wieder gesundes Leben zeigte. Eine Reihe recht erfolgreicher Konzerte und sonstiger Veranstaltungen nach dem Kriege zeugt davon.

Im Jahre 1950 verlor das Streichorchester den Mann, der es maßgeblich mitbegründete und bis zuletzt sein Vorsitzender war: Ewald Wolters. Die Nachfolge trat Heinrich Schmitz an, der dem Verein nicht nur immer ein treues Mitglied blieb, sondern ihm auch materiell stets großzügig half. Johann Schmitz gab im Jahre 1959 den Dirigentenposten wegen seines vorgeschrittenen Lebensalters ab. Sein Nachfolger wurde Josef Bischofs.

Es folgten große Gala-Konzerte zum 50jährigen und 60jährigen Vereinsjubiläum. Zu dieser Zeit entstand auch die musikalische Freundschaft zu dem Männergesangsverein Doppelquartett “Vereinigte Sangesfreunde” die bis in die heutige Zeit anhält. Zu vielen verschiedenen Anlässen wurde gemeinsam aufgetreten und musiziert. Das Konzert zum 60jährigen Jubiläum, hier schon unter der neuen Leitung Johannes Buscheinen, wurde dank dem Mitwirken des Doppelquartetts und Klaus Wunderlich ein voller Erfolg.

Es folgte erneut eine schwere Zeit für den Musikverein, in der viele ältere und verdiente Mitglieder aus gesundheitlichen Gründen das Musizieren einstellten. Schließlich waren sogar nur noch so wenige Mitglieder vorhanden, dass der Verein wieder die Probenarbeit einstellen mußte. Es ist dem unermüdlichen Einsatz von Johannes Buscheinen zu verdanken, dass der Verein diese schwere Zeit überstand, denn er bildete unabläßig neue, junge Musiker aus und führte sie an den Verein heran. Er sorgte stets dafür, dass der Verein zumindestens kirchliche Anläße im Brüggener Gemeindeleben mitgestaltete. Dadurch, das viele alte Mitglieder das Musizieren aufgaben, entstand schließlich auch der Wechsel von einem Streichorchester hin zu einem reinen Blasorchester.

Im Jahre 2002 gab Johannes Buscheinen dann den Dirigentenstab in jüngere Hände. Seit diesem Zeitpunkt steht der Verein unter der musikalischen Leitung von André Frenzer. Weitere neue Mitglieder wurden integriert und mit der tatkräftigen Unterstützung des neu gewählten Vorsitzenden Johannes Jansen, konnte im Jahr 2005 auch erstmals wieder ein eigenes Konzert gegeben werden. Im Burginnenhof wurden im Rahmen des Brüggener Kultursommers moderne und klassische Werke, aber auch Remineszenzen an die jahrzehntelange Geschichte des Vereins präsentiert.

Seit 2008 führt Volker Kürten als Vorsitzender die Geschicke des Vereins. Er übernahm zahlreiche Organisationsaufgaben rund um die Feierlichkeiten zum 100jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2010, dass insgesamt ein großer Erfolg wurde.

Im Januar 2015 konnte das bislang größte Konzert in der Geschichte des Musikvereins aufgeführt werden: Im Stile der Wiener Klassik lud der Musikverein zum Neujahrskonzert in die neue Burggemeindehalle ein.

Mit britischer Musik im Anlehnung an die "Last Night of the Proms" konnte der Musikverein im Januar 2017 erneut die Zuhörer beim zweiten Neujahrskonzert begeistern. Im Juli des gleichen Jahres verstarb Protektor und Vereinswirt Karl Heinz Mesterom, in dessen Räumlichkeiten der Verein mehr als 30 Jahre in Zuhause gefunden hat.

Der Musikverein Cäcilia Brüggen 1910 hat seinen festen Platz im Leben der Burggemeinde Brüggen. Dies belegen sowohl die vielfältigen jährlichen Auftritte für die Kirchen- und Zivilgemeinde als auch die abwechslungsreichen eigene Konzerte. Derzeit soll ein Instrumentenunterricht ins Leben gerufen werden, damit der Musikverein Cäcilia Brüggen 1910 hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann.